Was ist ein Islamisches Konto?

Viele Broker bieten neben ihren regulären Kontomodellen auch ein islamisches Konto. Was hat es damit auf sich?

Trader mit muslimischem Glauben können bei vielen Brokern ein islamisches Konto führen. Dieses folgt in seiner Ausgestaltung den Rechtsvorschriften des Islam, wobei unter anderem das Zinsverbot eine Rolle spielt. Das ist aber nicht der einzige Fakt, der bei islamischen Konten zu beachten ist.

Unterschied zwischen islamischen und klassischen Konten

Der Islam verbietet den Zinsgewinn im westlichen Verständnis, ebenso den Wucher und das Glücksspiel. Dennoch ist es natürlich möglich, im islamischen Rechtssystem Geschäfte mit einer Vergütung für geliehenes Geld abzuschließen, weil sich beispielsweise eine Eigenheimfinanzierung gar nicht anders durchführen ließe. Es werden hierzu aber andere Konstruktionen als unser westliches Zinssystem verwendet.

Die Zinsen spielen bei islamischen Trading-Konten ohnehin nur selten eine Rolle, weil diese Konten fast nie verzinst werden. Allerdings entfallen bei islamischen CFD-Konten die Swap-Kommissionen beim Overnight-Trading. CFDs werden beim Trading über Nacht normalerweise als Call-Position mit einem Negativzins für den Kunden, als Put-Position mit einem Positivzins belegt.

Bei islamischen Konten schließen die Broker die Positionen nachts – oft am frühen Morgen zwischen vier und fünf Uhr – und eröffnen sie sofort wieder, um den Swap auszusetzen.

Rollover-Gebühren werden ebenfalls nicht erhoben. Wenn der Broker die Guthaben auf den Tradingkonten verzinst, was in seltenen Fällen vorkommt, dann entfällt dieser Zins für islamische Konten.

Bedeutsam sind islamische Konten beim Forextrading, weil die islamische Rechtsprechung (Faqih) beim Handel mit Geld den Tausch vor Ort von einer Hand in die andere vorsieht. Da das im Zeitalter des Online-Bankings nicht mehr zeitgemäß ist, gelten für islamische Konten Regeln wie

  • verzögerungsfreier Handel,
  • Registrierung der Währungen in den Konten beider Handelspartner,
  • keine Zinsen auf den Handel sowie
  • sofortige Entrichtung etwaiger Kommissionen.

Mit den Kommissionen sind auch die Spreads gemeint. Broker handeln auch nach islamischem Recht, wenn sie für islamische Konten strikt Account Management Gebühren vermeiden. Hier muss genau hingeschaut werden: Bei klassischen Konten gibt es durchaus die Möglichkeit kostenpflichtiger Zusatzleistungen in einem aktiv gemanagten Account.

Die eigentliche islamische Rechtsprechung untersagt den Muslimen, für einen gewährten Kredit eine Gegenleistung anzunehmen. Islamische Forex Konten werden daher als No Riba Forex Konten (Forex ohne Zinsen) ausgestaltet. Der eigentliche Zins wären Overnight-Swaps und Rollover-Gebühren.

Umstritten oder verschwiegen wird die Tatsache, dass ein nachschusspflichtiger CFD – so etwas gibt es – darauf basieren muss, dass der Broker dem Händler ursprünglich einen Kredit für die Handelsausübung gewährt. Jedoch gibt es in der Praxis nur sehr wenige Broker mit Nachschusspflicht. Daher geht der Handel in diesem Punkt von vornherein mit dem Islam konform.

Vor- und Nachteile islamischer Konten

Der Vorteil islamischer Konten besteht darin, dass sie mit dem islamischen Rechtssystem konform gehen und daher kein Muslim befürchten muss, gegen die ihn betreffende Rechtsprechung beim Trading zu verstoßen. Die Unterschiede zu klassischen Konten sind wirklich signifikant, denn gerade Overnight-Swaps und Rollover-Gebühren sind ansonsten Usus. Es gibt aber auch kleine Nachteile:

  • Bei Overnight-Positionen mit Short-CFDs verlieren die Trader den Zinsgewinn (allerdings sind sie auch nicht der Zinszahlung bei Long-CFDs unterworfen).
  • Broker verlangen teilweise wegen wegfallender Swap- und Rollovergebühren höhere Spreads. Der Handel könnte also teurer werden.
  • Es kann Begrenzungen für das Offenhalten einer Position geben – bis hin zum ausschließlichen Daytrading mit CFDs.

Kunden dürfen außerdem nicht auf die Idee kommen, islamische Konten für das Carry-Trading zu missbrauchen. Das würde so funktionieren, dass sie Gebühren- oder Zinsvorteile bei gerollten Positionen oder Long-Overnightpositionen von CFDs dazu nutzen, einen CFD günstiger zu verkaufen, den sie beim selben Broker mit einem nicht-islamischen Konto gekauft haben. Wenn der Broker das feststellt, wird er beide Konten schließen und wahrscheinlich Schadenersatz fordern.

Fazit zu islamischen Konten

Es ist für die Broker nicht leicht, islamische Konten in Reinkultur anzubieten, sie erlauben sich aber hierbei keine Fehler. Gerade im Forexbereich ist dieses Angebot für muslimische Trader unerlässlich, sie nehmen sonst am Handel nicht teil.

Das islamische Bankwesen (مصرفية إسلامية, maṣrifīya islāmīya) kennt bestimmte Regeln, die sich vollkommen von denen der westlichen Welt unterscheiden. Die dahinterstehenden Ethikvorstellungen lassen sich einfach auf den Punkt bringen: Es darf keinen Gewinn ohne einen gleichwertigen Sachwert geben. Der reine Handel mit Geld ist unethisch. Diese islamische Rechtsauffassung ist freilich sehr alt, sie stammt aus einer Zeit, als es überhaupt noch keine Banken im heutigen Sinne, erst recht aber keinen virtuellen Geldtransfer gab.

In den 1970er Jahren wurde die auf das Bankwesen bezogene islamische Ethik daher durch den Ägypter Ahmad an-Naggār neu präzisiert. Er beschrieb islamische Banken als dem einfachen Mann zugewandt, der auch wenig Geld bei ihnen hinterlegen kann, als Banken ohne Gewinnstreben und nicht zuletzt als Institute, die dem Gemeinwohl dienen.

Das ist nicht so weit hergeholt, die deutschen Sparkassen folgen ähnlichen Prämissen. Nur die Broker müssen diese Ethik- und Rechtsauffassung mühevoll für ihre islamischen Trading-Konten übersetzen.

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