Der Leverage Effekt – eine Erläuterung

Der Hebeleffekt bei Finanzanlagen, auch Leverage genannt. Eine wichtige Grundlage des CFDs Handels.

Der Leverage-Effekt ist der Hebeleffekt bei Finanzinstrumenten, an der Börse ist damit der Einsatz von Derivaten gemeint. Ein CFD, Knock-out oder Optionsschein bewegt sich zum Underlying (dem zugrunde liegenden Basiswert) mit einem Hebel zwischen rund 2 bis 2.000, je nach Konstruktion. Dieser Hebel wird in den Beschreibungen der Wertpapiere angegeben, machen Sie sich aber lieber ein eigenes Bild. Beobachten Sie, wie sich das Derivat in den letzten Tagen entwickelt hat.

Berechnung und praktische Bedeutung des Leverage-Effektes

Um den Leverage-Effekt zu berechnen, muss ein Anleger lediglich die Bewegung des Derivates durch die Bewegung des Underlyings dividieren, schon wird der Hebel erkannt.

Zu beachten ist hierbei Folgendes: Die Derivate werden so konstruiert, dass sie sich stets in einem bestimmten Punkteverhältnis zum Underlying bewegen, unabhängig von ihrem Preis. Der Leverage-Effekt gibt aber die prozentuale Veränderung des Derivate-Preises gegenüber der Preisveränderung des Underlyings an. Das bedeutet, je preiswerter ein Derivat bei sonst gleicher Konstruktion gekauft wird, desto höher fällt sein Hebel und damit die Größe von Chance und Risiko aus.

Leverage_Effekt

Viele Knock-outs und CFDs auf den Dax bewegen sich um einen Cent, wenn der Dax um einen Punkt steigt oder fällt. Bei Devisen beträgt der Faktor manchmal 1,3 oder auch 1,65 oder irgendetwas anderes, das wenigstens einmal berechnet werden sollte. Wer jetzt ein Call-Derivat auf den Dax zum Preis von 2,00 Euro kauft, das sich um einen Cent bei einem Dax-Punkt bewegt, hat einen Leverage-Effekt von ~39, wenn der Dax von 7.800 auf 7.820 Punkte steigt, während der Call von 2,00 auf 2,20 Euro steigt (7.800 : 20 : 10, weil ja das Derivat nur um 10 Prozent gestiegen ist). Sollte dasselbe Derivat (mit genau der gleichen Konstruktion) beim Daxstand von 7.620 Punkten gekauft werden und selbst mithin nur noch 20 Cent kosten (kurz vor der K.o.-Schwelle), ergibt sich bei einer Punkteveränderung von 20 Dax-Punkten ein Leverage-Effekt von ~381, nämlich 7.620 : 20.

Praktisch bedeutet das für den Trader, dass das billige Wertpapier bei derselben Dax-Bewegung einmal um 100 Prozent und einmal nur um 10 Prozent teurer wird. Der Leverage-Effekt sagt das aber so nicht aus, weil er den Hebel zwischen Derivat und Underlying misst. Das bedeutet in der Praxis, dass die Angabe des Hebels in den Ausweisungen über die Derivate für den Trader zunächst einmal schwer zu verstehen ist, sie sind aber – besonders bei Hedging-Strategien – enorm wichtig.

Es ist zudem zu beachten, dass derivate Instrumente von verschiedenen Banken mit unterschiedlichen Hebeln ausgestattet werden. Sollten Sie also einen UBS-Schein als Call kaufen (die werden derzeit spreadlos auf den Dax angeboten) und sich mit einem Put der Soc-Gen hedgen, beachten Sie die wahrscheinlich unterschiedlichen Hebel.

Leverage-Effekt und Risikomanagement

Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben, könnte unser Trader, der über ein Kapital von 2.000 Euro verfügt, 1.000 Stück Knock-outs für 2,00 Euro kaufen, bei der erwähnten Steigerung um 20 Punkte hat er brutto 200 Euro verdient (netto gehen Brokergebühren und [meist] Spread ab). Der Trader kann für 2.000 Euro auch 10.000 Stück Knock-outs für 20 Cent kaufen und hat dann bei einer Steigerung von 20 Punkten 2.000 Euro verdient. Das klingt doch fein, oder? Wofür würden Sie sich entscheiden, für die 200 oder die 2.000 Euro?

Tatsächlich ist es so, dass bei einem Derivat von 20 Cent, mithin kurz vor der K.o.-Schwelle, das Risiko praktisch nicht mehr beherrschbar ist. Der Trader läuft in Gefahr, 50 bis 100 Prozent seines Kapitals zu verlieren. Wenn er sich an striktes Risikomanagement hält und von den 2.000 Euro nur 10 Prozent für einen Trade riskieren möchte, müsste er einen Stopp zwei Punkte unter Einstieg setzen, ein Wimpernschlag im Kursgeschehen, der schneller ausgestoppt wird, als Sie nach Ihrer Kaffeetasse gegriffen haben. Schon bei 5 Punkten würden 25 Prozent (500 Euro) riskiert, das ist immer noch zu knapp. Bei 10 Punkten würde die Hälfte riskiert, 10 Punkte ist der Mindeststopp bei einer Dax-Position.

Beim 2,00-Euro-Schein würden mit einem 10-Punkte-Stopp gerade 100 Euro, mithin 5% des Kapitals riskiert, das ist ok. Das ist der Leverage-Effekt, den Trader beachten müssen. Beachten Sie, dass der Einfachheit halber Spreads und Gebühren außer Acht gelassen wurden.

Der Leverage-Effekt: eine abschließende Beurteilung

Die Broker und Emittenten von Derivaten geben sehr gern den Leverage-Effekt oder schlicht Hebel von Wertpapieren an, weil beispielsweise ein Hebel von 1:2000 irre beeindruckend klingt und vor allem junge Trader (neue Trader) sich das wie oben beschrieben schönrechnen: Ich könnte in ein paar Minuten 100% verdienen…

Erstens ist jedoch der vom Emittenten angegebene Hebel irreführend, weil er sich auf den Kurs des Underlyings bezieht, der einen Derivatespekulanten nicht interessiert, zweitens steigt mit dem Hebel ebenso das Risiko. Und an der Börse führt die Haltung „no risk, no fun“ in den Ruin.

Trader sollten die Bewegung eines Derivats für sich berechnen und mit ihrem Risikomanagement in Einklang bringen. Entscheidend ist stets, was vom Kurs zu erwarten ist. Wenn irrationale Schwankungen einfach wegen hoher Volatilität von zwanzig, dreißig Punkten zu erwarten sind, muss der Stopp außerhalb dieser Schwankungen liegen, dementsprechend der Hebel des gewählten Finanzinstruments niedriger ausfallen.

Die finanztechnischen Betrachtungen zum Leverage-Effekt, wie sie in der Volkswirtschaftslehre publiziert werden, spielen beim Trading an der Börse kaum eine Rolle.

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