Verdienst und Verlust bei Forex

Kann man mit dem Forex Handel wirklich Geld verdienen? Oder gewinnen am Ende doch nur die Banken?

Die Frage von Verdienst oder Verlust beim Forexhandel ist die am meisten diskutierte, emotional am schwersten belastete Frage überhaupt, weshalb das folgende Statement zunächst mit Fakten beginnen soll, die komplett aus der Traderwelt stammen. Danach widmet sich die Redaktion wie gewohnt zur Freude des Publikums einigen allgemeinen Betrachtungen.

Verdienstangaben von deutschen und internationalen Tradern

Der deutsche Trader Simon Betschinger, Jahrgang 1980 und diplomierter Volkswirt, legt seine Performance offen, er belegt sie mit Kontoauszügen, was in der Traderwelt ganz und gar ungewöhnlich ist.

Er startete ein reales Tradingkonto (nach diversen Vorab-Versuchen auch mit Verlusten und Stagnationsphasen) im Jahr April 2006 und setzte 100.000 Euro ein. Seine bescheinigten Verdienste betrugen:

  • 2006: +58.377 Euro
  • 2007: +367.000 Euro
  • 2008: +140.000 Euro
  • 2009: +362.000 Euro
  • 2010: +236.800 Euro
  • 2011: +70.000 Euro
  • 2012: +130.000 Euro (vorläufiges Endergebnis)

Inwieweit Betschinger kumulierte, also höhere Summen als die anfänglichen 100.000 Euro einsetzte, belegt er nicht im Einzelnen, es ist allerdings aufgrund der Performance wenigstens der Jahre 2007 bis 2010 zu vermuten. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, zu kumulieren, auch kumulieren die meisten Börsianer nicht vollständig.

Der amerikanische Trader Joe Ross, Jahrgang etwa 1938 bis 1940 und immer noch aktiver Trader, Autor und Ausbilder, erwähnt in einem seiner Bücher („Daytrading“) ausdrücklich, dass er nie mehr Geld auf dem Tradingkonto belässt, als er zum Traden benötigt. Das spricht gegen eine permanente Kumulation, allerdings startete Ross im jugendlichen Alter von 23 Jahren mit von seiner Verwandtschaft geliehenen 5.000 Dollar und erwirtschaftete im ersten halben Jahr 43.000 Dollar, was nur mit Kumulation möglich ist.

Die Trader des deutschen Tradingservices godmodetrader.de verdienen zwar offensichtlich mit ihrer Plattform prächtiges Geld, allerdings nicht bei ihrem privaten Trading. Wer einen kostenpflichtigen Kundenzugang eröffnet, darf die Konten des Chefs Harald Weygand einsehen (ein studierter Arzt), dessen Performance lag im Jahr 2009 bei rund -90%, er hatte fast sein gesamtes Kapital (ursprünglich 20.000 Euro) vernichtet.

Der amerikanische Trader Richard Dennis (Jahrgang 1949) wurde bekannt durch sein Turtle-Trader-Experiment. Er bildete junge Trader in den 1980er Jahren mit einer bestimmten Strategie aus, die als Turtle-Strategie immer noch Anhänger findet, und drückte jedem der 10 ausgewählten Teilnehmer ein Startkapital zwischen 500.000 und zwei Millionen Dollar in die Hand, weil er wollte, dass die Aspiranten mit echtem Geld traden. Sie durften damit machen, was sie wollen, und es war Dennis´ privates Geld. Das kann sich nur jemand leisten, der beim Traden richtig Geld verdient. So viel zu den Facts.

Betrachtungen zur Statistik

Im Grunde verläuft Trading wie jede wirtschaftliche Tätigkeit, die stets mit Spekulation, Gewinnen und Verlusten verbunden ist. Das lässt sich im allerkleinsten und privatesten Alltag nachvollziehen. Sie sind Hausfrau oder Hausmann und kalkulieren Ihre Wochenendeinkäufe:

Sie können zu Aldi fahren oder zum Kaufland gleich um die Ecke. Zu Aldi fahren Sie ein bisschen länger, außerdem wissen Sie nicht, ob es dort alles gibt. Vielleicht müssen Sie am Ende doch noch mal ins Kaufland und haben daher beim Aldi-Umweg nichts erspart, sondern am Ende einige Cent an Spritkosten eingebüßt. Sie können auch von Tankstelle zu Tankstelle fahren, um nach den günstigsten Preisen zu schauen, finden das Angebot mit zwei Cent Ersparnis und haben dabei einen halben Liter Sprit unnötig verfahren, was aber nicht schlimm ist: Sie haben halt spekuliert.

Selbstständige Gewerbetreibende können ein Lied davon singen, sie spekulieren bei jedem Handschlag, den sie unternehmen: Soll ich diese oder jene Werbung schalten? Soll ich den Lieferanten wechseln? Was könnte das einbringen? Genauso läuft es beim Trading ab, aber hochverdichtet, und das ist das Problem, wegen dem sich Jesse Livermore erschossen hat. Es ist so einfach, ein Wertpapier zu buchen, einen Stopp nachzuziehen und mal eben 1.000 Euro auf den Kopf zu hauen, es tut auch nicht weh, nur das Geld ist weg.

Das Problem sitzt viel tiefer, als die meisten Menschen glauben, denn es handelt sich um eine Frage unserer Auffassung von statistisch erfassbaren Wahrscheinlichkeiten. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777 – 1857) erfand die Glockenkurve, die noch heute unser statistisches Verständnis bestimmt. Demnach gibt es sehr wahrscheinliche (die Kuppel der Glocke) und minder wahrscheinliche (deren Ränder) Ereignisse, und so betrachten wir die Welt bis heute, ob als Hausfrau, Autofahrer oder Gewerbetreibender.

Dieses Modell ist aber höchst unvollkommen, die Welt ist mit unserem gegenwärtigen statistischen Verständnis – Marxisten aufgepasst! – NICHT erkennbar. Warum ein Prozess stattfindet, weiß in Wahrheit niemand, es gibt ganz und gar unwahrscheinliche Ereignisse wie einen Tsunami vor Fukushima nebst anschließendem Börsencrash, eine amerikanische Subprime-Krise mit anschließender Halbierung der globalen Börsenwerte oder islamistische Spinner, die ins World Trade Center fliegen – Crash. Daneben gibt es Blasen und viele Mini-Ereignisse, die kein Mensch vorhersehen kann, und zwar tagtäglich.

Die Börsenereignisse sind nicht prognostizierbar. Das Mathematikgenie Benoit Mandelbrot hat sich sein Leben lang damit abgeplagt, fraktale Geometrie eingesetzt und dies und jenes, er kam zum selben Fazit. Kann man trotzdem an der Börse Geld verdienen? – Man kann, wie beispielsweise Betschinger beweist.

Kapitalkurven und die Kumulation von Tradingkapital

Die Trader, die an der Börse Gewinne erzielen, haben sich ein Set von Regeln für verschiedene Börsensituationen zugelegt, das

  1. begründet ist und das sie
  2. strikt einhalten.

Zum Einhalten dieser Regeln gehört auch das strikte Moneymanagement, das jeden Trader verpflichtet, nie mehr als ein bis zwei Prozent seines verfügbaren Gesamtkapitals für einen Trade zu riskieren. Dieses Kapital ist dasjenige, das Sie für Ihre Börsenaktivitäten eingeplant haben und theoretisch verlieren können.

Die Situationen wechseln aber, manche Regeln funktionieren ein Jahr bis zwei Jahre, dann eine Weile nicht und dann erneut. Sie müssen andere Regeln anwenden, und hier dürfen Sie die Gaußsche Glockenkurven-Statistik durchaus einsetzen: Wenn Ihre bisherigen Regeln für eine positive Performance genügt haben, was an einer Kapitalkurve inklusive Drawdowns (Rückgängen) ablesbar ist, können Sie sie beibehalten.

Sie können auch ermitteln, wie viele Verlusttrades Sie maximal hintereinander haben. Sie hatten mit einer bestimmten, definierten Methode im letzten Jahr nie mehr als fünf Verlusttrades hintereinander, oft nur drei oder vier? Ihre Kapitalkurve war positiv? Nun hatten Sie sechs Verlusttrades? – Verwerfen Sie vorläufig diese Methode. Vielleicht funktioniert sie übernächstes Jahr wieder, aber jetzt brauchen Sie ein anderes Set, das Sie zunächst testen müssen.

Wer das beherzigt, kann sein Kapital unbegrenzt kumulieren, also das gesamte Geld auf den nächsten Trade setzen. Es sind dann Performances von 10.000 Prozent im Jahr (und mehr) möglich. Vergessen Sie trotzdem nicht, dass sich Livermore erschossen hat. Also immer schön vorsichtig und bedacht mit eiserner Disziplin.

Wir hoffen dieser Artikel hat geholfen. Wenn ja, dann freuen wir uns über ein „Like“ oder ein „+1“. Falls Sie direkt loslegen wollen, haben wir hier noch eine Broker-Empfehlung:

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